Dreimal hat’s gekracht

Bei der 80-Jahrfeier der Dietershofener Buchenwaldschützen im Mai 1985 wurde Landrat Dr. Haisch auf der Tribüne im vollbesetzten Festzelt vom Feuerschützenhauptmann Toni Reich mit dem Schleppsäbel zum Ehrenoberst geschlagen und mit der schwäbischen Tracht seiner Kompanie eingekleidet.

Der neue Ehrenoberst erklärte anschließend, er sei jetzt wohl der einzige Landrat mit einem roten Leibchen, einem grünen Rock, aber weiterhin mit schwarzbedektem Kopf. Ein Ehrenmitglied des Vereins, welches bei der Ernennung Pate gestanden hatte, bemerkte anschließend mit trockenem Humor: „Hoffentlich macht mir der Bua koi Schand“ (L. Thoma!)

Seitdem wird die Dietershofer Feuerschützenkompanie auch außerhalb von Schützenfesten von ihrem Ehrenoberst immer wieder zu Auftritten mit Ehrensalutschießen bei Empfängen und Feierlichkeiten bestellt.

So auch am 19. September 1985 zur Jubiläumstagung der CSU Landesgruppe auf Schloss Kirchheim mit Franz Josef Strauß. Die Fürstin aber wollte den lautstarken Auftritt verhindern. Eine große deutsche Zeitung berichtet darüber unter anderem folgendes: „Da kam der Ministerpräsident gerade recht. Er sollte das Machtwort sprechen: „Die Schützen“ sagte Haisch, „haben ihre Büchsen geladen. Sie könnten, wenn sie dürften, doch sie dürfen nicht wie sie wollen. Aber wenn Sie wollen Herr Ministerpräsident, dass sie dürfen, dann können sie.“ Natürlich will er, dass sie dürfen, den es tut den Mannsbildern nicht gut, wenn sie nicht können, obwohl sie wollen...

Franz Josef Strauß schreitet auf Schloss Kirchheim die Front der Dietershofer Feuerschützen ab.

Woher sollte der Ministerpräsident auch wissen, dass die Fürstin Angst um ihre Butzenscheiben hat. Dreimal kracht es gegen den Himmel, der an diesem Tag so strahlt, dass man in Wien oder Berlin von Kaiserwetter gesprochen hätte. Aber in Bayern ist der Himmel über Franz Josef schlicht weißblau und nicht blauweiß, wie Graf Fugger und Bürgermeister Fischer in ihren Reden meinen. Beide mussten einen Tadel vom Landesvater einstecken.

Nach einem weiteren Auftritt im Altlandkreis Illertissen, berichtet die Illertissener Zeitung unter anderem: „Besonders beeindruckten die Buchenwald-Feuerschützen aus Dietershofen, die vor der Ehrentribüne einen donnernden Salut abfeuerten. Dass sie sich beim anschließenden „Rechts um zum Weitermarsch!“ über die Richtung nicht ganz einig waren, wurde mit viel Heiterkeit aufgenommen.“

Im Juni 1986 nahmen unsere Feuerschützen Einladung von Bürgermeister Lehner Babenhausen am Festzug zur 750-Jahrfeier der Stadt Babenhausen/Hessen teil. Vor ihnen im Festzug marschierte eine US-Militärkapelle. Dem Schnaps aus dem Fässchen unserer Marketenderinnen waren sie nicht abgeneigt und am Abend im Festzelt mischten sich einige farbige Musiker unter unsere Feuerschützen. Sie wetteiferten echt mit der Trinkfestigkeit unserer Männer und die Schnupftabakdose eines Schützen, die die Runde machte, hatte es ihnen so richtig angetan.

Ob es nun der Alkohol war oder das Schwarzpulver das ein Schlitzohr in den Schnupftabak gemischt hatte, was ihnen zu schaffen machte und sie an die frische Luft trieb? Auf alle Fälle, es trieb ihnen den Schweiß durch die schwarzen Poren und ihre Haut schien etwas heller, als sie zurückkamen. Der Zapfenstreich hat sie anschließend vor weiterem Unheil gerettet.

Apropos: Trinkfestigkeit. Am Heldengedenktag schießen die Feuerschützen Ehrensalut in den Ortsteilen. Dafür gibt es pro Mann ein Essen und einen Liter Bier von der Gemeinde. In einem Ortsteil wo nachweislich fast nur „Radler“ getrunken wird, hatte der Wirt deshalb die Getränke halbe-halbe bereitgestellt. Er musste dann im Laufe des Tages zweimal in Depot zum Nachfassen. Der Überkinger aber war übrig geblieben.

Bei einem Schützenfest musste wegen Regen der Umzug und das Salutschießen ausfallen. Einige Schützen aber hatten das Schwarzpulver schon in den Vorderladern. Der Feuerschütze „Ritschi“ wollte seinen Lieben daheim zeigen, wie so ein Gewehr gehandhabt wird. Das Ergebnis war ein furchtbarer Krach und ein Loch in der Zimmerdecke. Seitdem hat seine Frau eine große Abneigung – gegen sein Gewehr – natürlich!

An diesem Abend hat’s übrigens noch einmal gekracht im Gasthaus Kreuz. Der Feuerschützenhauptmann zerschmetterte seinen Stammkrug, weil ihn jemand überzeugte, dass die Bayerische Raute auf dem Krug verkehrt aufgebracht war.

Ein andermal war Scheibenschießen auf dem Schafschützenstand in Daxberg. Der Feuerschütze „Alisi“ hatte seinen Lauf mit Schwarzpulver gestopft, die Belikugel aber in den Leerlauf eines anderen Gewehrs gegeben. Die Scheibe blieb natürlich unverletzt und er Schütze braucht für den Spott nicht sorgen.

Echt stolz aber sind die Dietershofer Schützen auf ihren dreitägigen Besuch in Bonn im Juni 1988 wo sie vor dem Bundesverteidigungsministerium Ehrensalut schossen und General Schwämmle, Staatssekretär Timmermann und der Bundestagsabgeordnete Kurt Rossmanith ihre Front abschritten.

Chronist Johann Eberle †, Dietershofen 

Die Feuerschützen vor dem Bundesverteidigungsministerium in Bonn.

 

Zwei Wunder auf einmal

Juni 1990. Mit einer Festwoche begeht das 240-Einwohnerdorf Dietershofen das Ereignis „1225 Jahre Dietershofen“ und damit verbunden das Jubiläum „85 Jahre Schützen- und Feuerschützenverein »Buchenwald« Dieterhofen“. Seit Tagen geht’s rund im großen Festzelt im Sportplatz und für Sonntag, den 24. Juni steht auf dem Programm: „Festgottesdienst im Festzelt und anschließend politischer Frühschoppen mit CSU-Versitzenden, Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel.“

Diese Meldung schlägt im ganzen Landkreis wie eine Bombe ein. Aufruhr im CSU Kreisverband und Entrüstung, Staunen und ungläubiges Kopfschütteln bei allen Ortsverbänden. Ausgerechnet in ein Nest wie Dietershofen, ohne eigenen Ortsverband. Tagelang wird kreuz und quer telefoniert und gerätselt. Sollte ihr Vorsitzender Landrat Hermann Haisch sie vielleicht alle hintergangen haben? Zu diesem Zeitpunkt erfuhren auch noch die Letzten, dass der Landrat Ehrenoberst der Dietershofer Feruerschützen ist.

Am Festsonntag in aller Früh schon wurden die Einwohner nicht durch Weckruf, sondern durch Martinshorn und Blaulicht aufgeschreckt und folgende Hiobsbotschaft ging wie ein Lauffeuer durchs Dorf: der Schützenhauptmann Toni Reich, einer der Hauptorganisatoren des Festes, hatte bim Weiblaudekorieren im Festzelt einen Kreislaufkollaps erlitten und lag nun bewusstlos auf den Brettern, die ihm gerade an diesem Tag die ganze Welt bedeuteten.

Beim anschließenden Festgottesdienst schloss Pfarrer Dosch den Unglücklichen namentlich in seine Fürbitten ein und das zweitausendstimmige „Wir bitten Dich erhöre uns“ hatte seine Wirkung. Toni Reich marschierte zum Schluss des Gottesdienstes in voller Schützentracht mit Dreispitz und Schleppsäbel, mit dem Minister Waigel und seinem Gefolge ins Festzelt ein. Dies waren für die Dietershofen gleich zwei Wunder auf einmal.

Weitere Wunder, die der Bundesfinanzminister in seiner anschließenden Rede in Aussicht stellte, speziell in Punkto Wiedervereinigung, scheinen etwas länger zu brauchen.

Aber warum er ausgerechnet ins kleine Dietershofen gekommen ist, an diesem 24. Juni 1990?

Der Feuerschützenhauptmann Toni Reich, bekannt dafür, dass er sich nicht gern mit kleinen Fischen abgibt, hatte dem Minister mit der Einladung einen Auszug aus einem alten Exemplar des Bayernkuriers zugesandt, in dem Waigel auf einer Wahlversammlung versprochen hatte, auch nach den Wahlen die kleinen Orte und Stammtische nicht zu vergessen. So ist nun sein Besuch anlässlich des Doppeljubiläums mit Foto und Widmung in die Dietershofer Schützenchronik eingegangen.

 

Chronist, Johann Eberle †, Dietershofen